Eva Kocher: Der objektive Dritte. Die Situiertheit von Wissen und das Recht (Vortrag)

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Medienaktionen

Prof. Dr. Eva Kocher:

Der objektive Dritte. Die Situiertheit von Wissen und das Recht.

Unabhängigkeit, Neutralität und Objektivität sind zentrale Begriffe im Selbstverständnis von Jurist*innen. Empirisch betrachtet sind Jurist*innen allerdings offensichtlich Menschen und damit auch gesell­schaftlich bestimmte Körper. Die feministische Rechtswissenschaft kritisiert jedenfalls schon seit langem den „ideologischen“ und „männlichen“ Bias der Objektivität. Die Vorstellung, die juristische Ausbildung befähige dazu, autonom und unabhängig die richtigen oder zumin­dest passenden Entscheidungen für Streitfälle zu finden, stellt jedenfalls wohl eine „Illusion“ dar. Sie ist allerdings „feld­spezifisch“, also notwendig. Es liegt deshalb nahe, nach Wegen zu suchen, dieser Norm so nahe wie möglich zu kommen. Der Vortrag zeigt, wie diese Suchbewegung aussehen könnte, und zwar am Begriff der Objektivität und damit demjenigen Begriff, der die Juristin auffordert, aktiv aus dem Fallmaterial einen Maßstab zu entwickeln und die „neutrale“ Position positiv zu bestimmen. Besonderes Augenmerk liegt im Folgenden auf „dem eingebildeten Dritten“ als „Argumenta­tionsfigur im Zivilrecht“. An ihm zeigt sich auch, welchen Mehrwert eine geschlechter­theoretisch kompetente Analyse in der Rechtswissenschaft über die theoretische Reflektion hinaus bis in die Rechtspraxis haben könnte.

Der Vortrag fand am 16 Dezember 2020 im Rahmen der Ringvorlesung „Transdisziplinäre Gender Studies und Queer Theorie an der Viadrina – Ringvorlesung“ online an der Europa-Universität Viadrina statt.

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Kategorien: Veranstaltungen

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